6. Januar 2010
Ein recht interessanter und sehr ausführlicher Artikel zum Thema, hier als Auszug (bitte um Kommentare), Quelle: (aus: D. Stockmann (Hg.), Volks- und Popularmusik in Europa, (= Neues Handbuch der Musikwissenschaft Bd. 12), Laaber 1992, S. 445-477, © Laaber-Verlag):
„Jazz, Rock- und Popmusik (von Peter Wicke, Humboldt-Universität, Berlin)
Die populären Musikformen sind im zwanzigsten Jahrhundert zu einer nahezu allgegenwärtigen Erscheinung des Alltagslebens geworden, wobei sie — über die modernen audio-visuellen Massenkommunikationsmittel massenhaft produziert und verbreitet — zunehmend einen globalen Charakter angenommen haben. War ihre Entwicklung noch im neunzehnten Jahrhundert an regionale oder lokale Funktions- und Wirkungszusammenhänge gebunden, die sich in jeweils charakteristischen Musikformen und einem entsprechend identifizierbaren musikalischen Idiom niederschlugen (z.B. Wiener Walzer), so treten mit der Herausbildung des modernen Industriekapitalismus, der Bindung der populären Musikformen an die Massenmedien und der Entstehung einer komplexen, nach und nach internationalisierten Musikindustrie an deren Stelle nun soziale, technologische und ökonomische Faktoren, die aus der populären Musik eine transnationale Musikpraxis haben werden lassen. Dabei sind nicht nur lokale und regionale Musiktraditionen aus allen Teilen der Welt in diesen transnationalen Zusammenhang integriert worden — angefangen bei den verschiedenen Formen der afroamerikanischen Musik zu Beginn des Jahrhunderts bis hin zu Ethno Pop und World Music, den sich seit Beginn der achtziger Jahre wachsender Popularität erfreuenden traditionellen Musikformen und ihren Pop-Derivaten aus den Ländern der sogenannten Dritten Welt. Innerhalb solcher globalen Zusammenhänge sind auch eine ganze Reihe neuartiger Musikformen entstanden, die — wie die zeitgenössischen Formen der Popmusik — jede spezifische Bindung an nationale oder regionale Musikkulturen verloren haben.“
(weiterlesen…)